Tanztheater – Verfolgungsjagd im Parkhaus | 01.07.2012 Der Westen

Tanztheater

Verfolgungsjagd im Parkhaus

01.07.2012 | 14:28 Uhr

Verfolgungsjagd im Parkhaus

Das Stück „Rotlicht“ präsentierten Henrietta Horn (Bild; Tanz und Choreographie) und Dorothée Hahne bei ihrem Gastspiel in den Flottmann-Hallen. Foto: Veranstalter

Ihr Stück „Rotlicht“ brachten Henrietta Horn (Tanz) und Dorothée Hahne (Musik) auf die Bühne der Flottmann-Hallen – eine Art Suite mit großer Ausdrucksvarianz.

Ein Duett aus Tanz und Musik präsentierten Tänzerin und Choreographin Henrietta Horn und Musikerin Dorothée Hahne am Freitagabend in den Flottmann-Hallen. Ihre getanzte Komposition „Rotlicht“ besteht aus acht klar abgegrenzten Teilen, eine Art Suite mit großer Ausdrucksvarianz.

Die Körpersprache der Henrietta Horn ist nicht immer im Sinne klassischer Affekte lesbar, sie ist zu purem ästhetischen Ausdruck erhoben. In „es kommt, was geht…“ führt sie der Arm, eine Art Schaltzentrum, dem der ganze Körper folgt. Aufhorchen lässt dazu das Geräusch des Alphorns, an dessen Corpus Hahne zunächst nur entlang schrappt und das Mundstück hin und her knarzt, bis sie schließlich die reichen Obertöne des Instrumentes auf ganz eigentümliche Weise tanzen lässt. Wie eine Fensterschau in eine ästhetische Welt.

Das Tanzstück „Schrittweise“ erinnert an eine Krimiszene. Wie in einer Verfolgungsjagd in einem Parkhaus werden die Schritte der Henrietta Horn verfolgt von Schrittgeräuschen (Live-Elektronik). Ein unangenehmes Licht untermalt hier nicht nur dramaturgisch, sondern wird Teil der Verfolgung, bündelt sich und hat die Tänzerin schließlich in seinem Fokus eingenommen. Ein szenisches Miniaturstück mit großem Effekt.

In drei Intermezzi versehen die Künstlerinnen ihr Werk mit einem Augenzwinkern: Jedes Mal setzen sie sich auf die Bühne, die Musikerin mit einer Tuba. Erwartungshaltungen werden verballhornt, zunächst mit umgekehrten Rollen: während die Tubistin ihr angesetztes Instrument nur hält, „spielt“ die Tänzerin mit leise flüsternden Wörtern. Ein weiteres Mal sieht man zu modernen Spieltechniken (Ploppen, Atemzüge) eine Tänzerin, die nur im Geiste tanzt. Und schließlich die Vollendung von Tanz und Tubaspiel: Eine Tanzkomposition aus Bewegung und Akzenten, die hundertprozentig synchron zu dem Instrumentalpart ist. Wunderschön und mit erstaunlich sprechender Wirkung!

In „Boden mit Dame“ beeindruckt der Tanz der Horn abermals. Auf nur sehr begrenztem Raum zeigt sie eine getanzte, mal hektische mal gleitende Körpersprache. Dieser entrückte Raum erscheint fast wie im Zeitraffer. Zu den sanften getanzten Formen setzt die Komponistin kontrastreich maschinenhafte Geräusche. Eine ästhetische Symbiose.

Nina Schröder

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